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Meerscheinchen und ihr Nachwuchs

von Dr. med. vet. Eva Haberpeuntner, Ganshofstraße 11, 5020 Salzburg

In ihrer Heimat, der Andenregion von Peru und Ecuador, wurde das Meerschweinchen (Cavia aperea f. porcellus) schon von den Inkas domestiziert. Die Aufzucht des Meerschweinchens in Menschenhand blickt daher auf eine mehrere tausend Jahre alte Tradition zurück.

Meerschweinchen sind gesellige Tiere. All ihre Verhaltensweisen sind auf das Zusammenleben in der Familie oder in einem Rudel ausgerichtet. Neben angeborenen Verhaltensweisen muss der Meerschweinchennachwuchs, als sehr sozial lebende Säugetiere, die komplizierten Spielregeln innerhalb der Familie erlernen, inklusive Hierarchien und Kommunikation.

So niedlich die Kleinen auch sind und es bezaubernd ist eine Meerschweinchenkinderstube beobachten zu können- eine Vorstellung sollte man zu allererst immer haben: Was passiert mit den Jungen, wenn sie mal größer geworden sind?

Das Geschlecht der Meerschweinchen lässt sich schon bei Neugeborenen bestimmen. Die Geschlechtsreife tritt mit 2- 2,5 Monate ein, der Zeitpunkt der „Familiengründung“ sollte jedoch erst mit ca. 5 Monaten sein. Voraussetzung ist natürlich ein guter Ernährungs- und Gesundheitszustand.

Die Paarung zu übersehen oder überhören ist kaum möglich, denn männliche Meerschweinchen (Böcke) sind wahre „Machos“ wenn es um die Paarung geht, mit lautem „Gurren“ stolzieren sie um die Weibchen. Die Brunst des Weibchens tritt in Abständen von 17-18 Tagen auf. Die Trächtigkeit dauert durchschnittlich 68 Tage (wie z. B. auch beim Hund, jedoch bei Kaninchen z. B. nur 35Tage). Schon nach 4 Wochen lässt sich durch vorsichtiges Abtasten des Bauches die Trächtigkeit feststellen. Bei Erstgebärenden sind meist nur 1-2 Junge zu erwarten. Bei einer Wurfgröße von durchschnittlich 2-5 Jungtieren (vereinzelt sind auch bis zu 7 möglich) sind die Kleinen zwischen 65 und 85g schwer. Die Anzahl der Jungen kann bis 7 gehen, ist aber eher ungewöhnlich.

Das Muttertier wird immer runder, jedoch gibt es kaum äußerliche Anzeichen, die auf die nahe Geburt hinweisen. Meerschweinchen zeigen nur eine gewisse Unruhe vor der Geburt, sie bauen auch kein Nest, wie das z. B. bei Kaninchen der Fall ist, sie suchen sich jedoch ein geschütztes Plätzchen im Käfig. Unabhängig von der Tageszeit, jedoch häufig nachts oder in den Morgenstunden, erfolgt die Geburt. Schon 2-12 Stunden nach der Geburt wird das Weibchen wieder brünstig. Auf jeden Fall sollte man daher das Männchen vom Weibchen kurz vor der Geburt der Jungen separieren.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Kleinsäugern, die nackt und blind geboren werden, sind die Jungen der Meerschweinchen wahre Nestflüchter. Sie kommen mit vollem Haarkleid, geöffneten Augen und Ohren und meist zudem mit einer erstaunlichen Agilität auf die Welt. Auch wenn die Jungen schnell feste Nahrung aufnehmen (sie haben schon von Geburt an bleibende Schneide- und Backenzähne), werden sie trotzdem 3-4 Wochen gesäugt. Befinden sich mehrere säugende Weibchen im Käfig, so saugen die Jungen auch bei fremden Müttern. Eine ausgeprägte Pflege der Jungen ist bei Meerschweinchen nicht vorhanden. Spätestens zum Zeitpunkt des Absetzens, wenn die Mutter die Saugversuche abwehrt, sind die Jungböckchen von den weiblichen Tieren (Mutter, Schwestern, Tanten.....) zu trennen.

Störungen rund um die Trächtigkeit und Geburt kommen, zwar selten, auch bei Meerschweinchen vor.

Der richtige Zeitpunkt der ersten Verpaarung ist bei Meerschweinchen sehr wichtig. Können Sie den Decktermin planen (und haben nicht schon ein trächtiges Tier übernommen) dann lassen Sie sich nochmals über diesen Zeitpunkt beraten.

Eine gefürchtete Komplikation liegt in einer Stoffwechselentgleisung, der so genannten Trächtigkeitstoxikose. Diese Erkrankung betrifft vornehmlich sehr fettleibige Tiere im fortgeschrittenen Trächtigkeitsstadium oder kurz nach der Geburt. Eine beeinträchtigte Leberfunktion liegt diesem Erscheinungsbild zugrunde. Die Weibchen verlieren rapide an Gewicht, Futter- und Wasseraufnahme werden eingestellt und das Tier kann innerhalb kürzester Zeit sterben. Durch richtige Fütterung und Haltung sind die auslösenden Faktoren der Trächtigkeitstoxikose schon im Vorfeld zu verhindern.

Auch kann es aufgrund zu großer Jungen, Wehenschwäche oder anderer Erkrankungen zu Verzögerungen in der Geburt kommen.

Grundsätzlich sollten Meerschweinchenhalter die „werdenden Mütter“ besonders im Auge behalten. Bei geringsten Abweichungen vom normalen Verhalten, Futterverweigerung oder anderen Symptomen sollten Sie sich mit Ihrem Tierarzt in Verbindung setzen.